Humboldt Palais: Edle Wohnungen statt Discolärm

(Nürnberg, 08.06.2010) — Die Humboldtsäle in Lichtenhof werden nie mehr Ort für Veranstaltungen sein. Der denkmalgeschützte, 1912 errichtete Jugendstilbau wird ab Herbst zum Firmensitz und zu Eigentumswohnungen umgestaltet.

Der Wandel zeichnete sich bereits vor drei Jahren ab: Damals hatte die Nürnberger Firma Project Pe GmbH das Anwesen in der Humboldtstra­ße 114-118 bei einer Zwangs­versteigerung erworben. Jetzt betreibt die Project PD Development GmbH unter dem klingenden Namen "Humboldt Palais" die Vermarktung und den Umbau der Immobilie. Es entstehen 19 Eigentums­wohnungen gehobenen Standards in den Geschossen zwei bis vier und unter dem Dach, das zusätzlich ausgebaut wird. Der erste Stock sowie der Saal mit dem seitlichen Anbau werden zu Büros. Hier zieht die Project GmbH selbst ein.

Auf den Denkmalschutz werde umfassend Rücksicht genommen, wie Hermann Renner von der städtischen Bauordnungsbehörde und Project-Geschäftsführer Ringo Haritz bestätigen. Die markante, historische Fassade zur Humboldtstraße bleibt ebenso erhalten wie der Saal, das Marmor- Foyer und die prunkvollen Treppenhäuser.

Der Innenhof, in dem sich sechs weitere, bereits sanierte und bewohnte Eigentumswohnungen befinden, wird begrünt und mit einem Spielplatz bestückt. Das Investitionsvolumen beziffert Haritz auf rund 7,5 Millionen Euro. Der Verkauf der Wohnungen hat begonnen, Umbaustart soll im Herbst 2010 sein, die Fertigstellung ist für Ende 2011 geplant. Die Humboldtsäle gehörten in den 1920er Jahren zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt: Silvesternächte, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Abschlussbälle fanden in den Räumlichkeiten statt. Ab 1958 traten die berühmt-berüchtigten "Peterlesboum" Willi Händel und Karl Vogt hier auf.

In den 70er Jahren wurden die Humboldtsäle zum Vergnügungslokal "Oberbayern" umgebaut. In den 80er Jahren beherbergte der Jugendstilbau - sehr zum Ärger der Nachbarn - das legendäre "Dröhnland", eine der ersten Trenddiscos in Nürnberg. 1991 hatte sich Gastronom Helmut Schmelzer in das Etablissement eingekauft. Er wollte die Humboldtsäle in ein Kleinkunstzentrum für gehobene Ansprüche verwandeln. Doch die Träume platzten schnell, Schmelzer zog sich zurück, angeblich weil es in der Nachbarschaft zu viel Widerstand gab. Ein Jahrzehnt ruhte das Südstadt- Juwel anschließend im Dornröschenschlaf.

Im Jahr 2001 trat mit dem Nürnberger Zahnarzt Jehncka Jakubowitz ein neuer Investor auf den Plan, der den Hallen mit Festen und Tagungen, Lesungen und Kleinkunstveranstaltungen neues Leben einhauchen wollte. Dies gelang nur teilweise: In den Humboldtsälen fanden anschließend wieder Seminare, Hochzeiten, Firmenjubiläen und Privatfeiern statt, doch das Kulturprogramm ließ auf sich warten. 2002 gab es hier ein Gedenk-Festival der fränkischen Rockszene zum einjährigen Todestag des Kneipiers, Rockveranstalters und Szene-Unikums Norbert "Cowboy" Sutter. In den darauffolgenden Jahren wurde es jedoch immer stiller, bis zur Zwangsversteigerung 2007. Im gleichen Jahr noch waren die Humboldtsäle Ort einer "Lifestylemesse" der Südstadt-Händler. Jetzt können sich die Nachbarn endgültig auf ruhige Zeiten einstellen.

Humboldt Palais

Der 1912 errichtete Jugengstilbau erstrahlt schon bald in neuem Glanz.

<script>